Vorbild des Monats – Maria aus Bethanien

Serie Frauen der Bibel, Tipp des Monats

Vorbild des Monats

 

Maria aus Bethanien

 

Im Neuen Testament begegnen wir Maria, einer Frau, die für ihr Verhalten zweimal ausdrücklich von Jesus gelobt wird. Die bekanntere der beiden Geschichten ist wohl die, wo sie zu Füßen Jesu sitzt, um zuhört und ihre beschäftigtige Schwester Martha sich über sie beschwert. Jesus antwortet ihr, dass Maria genau das Richtige tut und das nicht von ihr genommen werden soll (Lukas 10,42).

Die zweite Begebenheit ist vielleicht weniger bekannt. Jesus kommt am Ende seines dreijährigen Dienstes wieder in das Dorf Bethanien, wo Maria, Martha und ihr Bruder Lazarus wohnen und Simon der Aussätzige richtet ein Festmahl für ihn aus. Auch Lazarus ist eingeladen, seine Schwester Martha dient an den Tischen.

Maria aber hat sich etwas Besonderes überlegt. Sie vermutet, dass Jesus wahrscheinlich nicht mehr lange leben wird, dazu ist sein Auftreten zu kühn, die Priester und Pharisäer fühlen sich zu bedroht. Maria möchte ihm für alles danken und ihm zeigen, wie sehr sie ihn schätzt und liebt, wie kostbar er ihr ist.

Sie holt deshalb aus ihrem Haus etwas, das sie extra dafür aufbewahrt hat, etwas, das genau richtig für Jesus ist: Ein Fläschchen aus Alabaster, gefüllt mit kostbarem echten Nardenöl. Der Preis wäre heute ungefähr 20.000€. Das Gefäß mit dem unglaublich wertvollen Öl fest in den Händen haltend, geht Maria durch die Straßen auf Simons Haus zu. Sie weiß, dass dort das halbe Dorf versammelt sein wird, dass das Essen im vollen Gange ist, aber sie muss es tun. Es ist die einzige Gelegenheit.

Sie betritt das Haus, geht in den Festraum und als sie Jesus erblickt, bahnt sie sich ihren Weg durch die Liegen. Die Gespräche versiegen, sie spürt die Blicke, die Fragen in den Köpfen, vielleicht erkennen ihre Geschwister das Fläschchen. Aber es gibt keinen anderen, dem diese Kostbarkeit mehr zusteht als Ihm.

Als sie vor Jesus steht, lächelt sie ihn an und bricht das Gefäß auf. Sie gießt das Öl auf seinen Kopf, so dass es an seinen Wangen herunterläuft, in seinen Bart, den Hals entlang. Jesus lächelt sie an, sie weiß, dass er sich über den herrlichen Duft freut, der sich sofort im Raum ausbreitet. Er atmet tief ein. Den Rest des Öls gießt sie über seine Füße und trocknet sie mit ihren Haaren. Noch lange Zeit wird der Duft in ihren Haaren sie an diesen Moment erinnern.

Die Stille im Raum wird unterbrochen durch plötzliches Gemurmel und ärgerlichen Protest.

„Was für eine Verschwendung!“

„Man hätte das Öl teuer verkaufen und den Armen das Geld geben können!“

„Unglaublich!“

Jesus richtet sich auf und in die Runde blickend sagt er: „Lasst sie! Warum bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan.“

Die Jünger senken die Blicke.

Er spricht weiter: „Die Armen habt ihr allezeit bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, wann immer ihr wollt, mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte, sie hat meinen Leib im Voraus zum Begräbnis gesalbt.“

Maria sinkt das Herz. Sie hatte Recht gehabt mit ihrer Vorahnung.

„Wahrlich, ich sage euch: Wo immer dieses Evangelium verkündigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch von dem sprechen, was sie getan hat, zu ihrem Gedenken.“

 

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Diese Geschichte ist so kurz und doch berührt mich diese Begegnung sehr. Während des Schreibens musste ich echt weinen, weil der Moment, wo Maria ihr Herz offenbart, ihre Wertschätzung zeigt und Abschied nimmt, so intensiv ist.

Sie hat das Kostbarste gegeben, das sie besaß: Dieses unglaublich teure Salböl, aber auch ihr Herz, das ihm hingegeben war.

Ich denke, das können wir heute von Maria lernen: Wo unser Herz ist, da wird auch alles andere hingehen. Ist unser Herz auf Jesus ausgerichtet, wird es auch unsere Aufmerksamkeit sein, unsere Wertschätzung, unsere Zeit, unser Geld, unsere Hingabe, unsere Energie.

Ist unser Herz Jesus hingegeben, können wir ihm unsere Wertschätzung zeigen, nicht mehr physisch wie Maria, aber durch Lob und Anbetung und ein hingegebenes Leben.

Gerade jetzt in den letzten Passionstagen und dann in der Osterzeit erinnern uns die Festtage an den besonderen Anlass und die vielen Gründe, warum wir Jesus loben und anbeten können. Möge der April, trotz der schweren Zeit, ein Monat der Anbetung sein und Maria aus Bethanien ein leuchtendes Vorbild.

 

Bibeltexte

Johannes 12, 1-8
Matthäus 26, 6-13
Markus 14, 3-9

 

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