Von der Liebe zur Handarbeit

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Von der Liebe zur Handarbeit

 

Kennt ihr das Gefühl, mit den Händen etwas zu erschaffen? Kreativ zu sein, etwas Neues zu schaffen, zu sehen, wie es wird?

Vor ein oder zwei Wintern habe ich mir eine Strickjacke gestrickt, aus blauer Wolle, die ich im Trödelladen gekauft hatte. Es hat lange gedauert, bis sie fertig war, aber der Prozess des Schaffens war wunderbar und ich hatte sehr viel Spaß dabei.

Seitdem habe ich zwischendurch das Brettchenweben ausprobiert und auch immer mal wieder etwas genäht, zwei Kleider und meistens Röcke, die mir große Dienste geleistet haben. Vor ein paar Wochen habe ich weichen Wollstoff gekauft, der zu warmen Röcken für den Winter verarbeitet werden wird.

Und nun schleicht sich langsam der Herbst heran, noch einmal verzögert durch das herrliche Sonnenwetter und lässt mich langsam darüber nachdenken, wie ich mich beschäftigen werde, wenn es draußen kalt und regnerisch ist. Wenn ihr dazu Inspiration möchtet, schaut doch mal in den Artikel von der lieben Anne, sie hat gute Ideen dazu!

 

Alte Handarbeit - Handspindel - Wolle Spinnen

 

Seit ein paar Tagen hat mich die wohl ursprünglichste aller Handarbeiten so richtig gepackt: Das Spinnen. Nicht das im Kopf, sondern das Verspinnen von Wolle. Ich weiß gar nicht so genau, wie ich eigentlich darauf gekommen bin (vielleicht durch das Lesen von drei Mittelalter-Romanen oder durch zwei Damen, die neulich auf dem Wasserfest hier in der Stadt am Spinnrad saßen?). Jedenfalls habe ich mir Tutorials bei youtube angeschaut und weiß jetzt Bescheid. 🙂

Ne, so ganz stimmt das natürlich nicht. Ich habe einen ersten Eindruck gewonnen und da ich kein Geld für ein teures Ashford-Spinnrad habe, muss es wohl eine Handspindel sein. Das Handspinnen ist die älteste Form, genaueres könnt ihr hier nachlesen: Wikipedia/Handspindel

Im Internet gibt es einige sehr gute Seiten, die wunderbar erklären, wie das Spinnen funktioniert, z.B. flinkhand.de und lahottee.info und chantimanou.de und noch viele viele weitere Seiten und Blogs, die sich damit beschäftigen.

 

Alte Handarbeit - Handspindel - Wolle spinnen

 

Jedenfalls hat es mich gepackt: Ich möchte den Prozess vom Schaf zum Pullover in allen Schritten durchlaufen. (Ich bin da manchmal ein bisschen enthusiastisch.) Nicht von heute auf morgen, aber so nach und nach, vielleicht als Winterprojekt. Anfangen will ich mit dem Spinnen der Wolle. Ich glaube nicht, dass es das Beste ist, sich geschorene Wolle nach Hause zu holen, die direkt vom Schaf kommt. 🙂 Ich glaube, es würde mich ein bisschen überfordern, weil sie ja noch gekämmt und gewaschen werden muss und ich davon wirklich keine Ahnung habe. 🙂 Aber irgendwann mache ich das bestimmt mal.

Um also anfängermäßig mit dem Spinnen zu beginnen, habe ich mir bei das-wollschaf.de ein Handspindel-Starter-Set bestellt, das eine Handspindel (Tiefwirtelspindel) enthält sowie 100 gr Schurwolle (hier gehts zum Starter-Set), das morgen ankommt und von mir total gespannt erwartet wird!

 

Warum bin ich von alter Handarbeit so fasziniert?

 

Früher, also vor der Industrialisierung, als es noch keine Maschinen gab, musste das meiste mit der Hand gemacht werden. Das Schaf musste geschoren werden, die Wolle gekämmt und gewaschen und von den Frauen gesponnen, verzwirbelt und gehaspelt werden, um dann (endlich) als Garn verwebt, verstrickt oder verhäkelt zu werden.

Diese ganzen Schritte bekommt man heute nicht mehr mit, weil man den fertigen Pullover oder die Strickjacke in großen Einkaufsketten zu billigen Preisen kauft und keinen Gedanken an den Prozess davor verschwendet.

Meine Motivation, mit dem Handspinnen anzufangen, kommt glaube ich daher, dass ich diese ganzen Schritte bewusst nachvollziehen und nachleben mchte, um wieder zum Ursprünglichen zurückzukommen. Nicht um mein Leben unnötig kompliziert zu machen, sondern um traditionelle Handarbeit der Frauen zu leben.

 

Alte Handarbeit - Handspindel - Wolle spinnen

 

Ich liebe es, mit meinen Händen etwas zu schaffen. Ich liebe es, dass diese alten Handarbeiten so nützlich sind. Sie sind existenziell und damit so sinnvoll. Ich kann kreativ sein. Ich kann während des Handarbeitens entschleunigen. Das ist für mich ein wichtiger Punkt: Da mein Stresslevel meistens erhöht ist, ist ruhige Handarbeit eine gute Möglichkeit für mich, mich zu sammeln, auf etwas zu konzentrieren, nachzudenken.

Durch alte Handarbeit fühle ich mich so verbunden mit dem natürlichen Prozess des Seins, der Erde, Generationen von Frauen vor mir.

Das ist ein großer Wunsch von mir: Eines Tages in einer Runde von Frauen zu sitzen, gemeinsam Handarbeiten zu machen, zu lachen und gemütlich zu klönen. Geschichten von früher zu hören, Ratschläge zu bekommen oder zu geben, Ideen auszutauschen, über das Wunder des Lebens zu staunen.

 

Welche Handarbeit machst du? Welche würdest du gerne mal ausprobieren?

 

 

7 Kommentare zu “Von der Liebe zur Handarbeit”

  1. Anne A.

    Liebe Friede,
    danke erst mal für die Erwähnung meines Artikels 🙂
    Ich finde das eine tolle Sache, was du da beschreibst! Das Brettchenweben sieht auch sehr interessant aus … generell, solche Handarbeiten finde ich faszinierend. Manchmal wünschte ich mir dabei, sie würden noch mehr Zweck erfüllen (jaja, nicht so gut^^), weil ich bisher noch nicht so richtig sinnvolle Sachen genäht oder gestrickt o.ä. habe.
    Als Kind hab ich sehr gern Armbänder geknüpft und als Jugendliche gehäkelt, das sind ja ganz simple Sachen, aber das mach ich auch heute manchmal noch gerne.
    Mach weiter so, ich bin gespannt, was du noch so davon erzählst. 🙂 LG!

  2. fraufriede

    Hey voll gerne, es sind super Ideen! 🙂 Hm, beim Brettchenweben finde ich das mit dem Zweck auch ein bisschen schwierig, aber gerade beim Häkeln kann man so gute Sachen machen, z.B. kleine Tierchen oder Babyschuhe oder sowas. Leider kann ich häkeln gar nicht. Wenn du das heute gerne noch machst, was häkelst du so?
    Danke 🙂 Ich bin auch gespannt, wie das so wird mit dem Spinnen, heute nachmittag gehts los! juhu 🙂 Ich kann dann ja mal Bilder bei facebook posten oder so ^^

  3. Anne A.

    Babyschuhe! 😀 Jaaa. Versuch ich!
    Ich habe bisher so ‘nen Schlauchschal gehäkelt … und ein Kuscheltier, das nicht ganz zugeordnet werden konnte.^^
    Cool, ja poste mal was! Viel Spaß 🙂

  4. Natalie

    Natürlich kenne ich das faszinierende Gefühl! 😀 Es ist fabelhaft, weil man sich automatisch einreiht in eine Tradition von Frauen, die ganz in ihrem Element waren. Die hypnotische Kraft von Handarbeit. Respekt, dass du dich ans Spinnen gewagt hast – das wäre mir persönlich etwas zu viel des Guten, aber ich bewundere deinen Einsatz. Hast du ein Spinnrad? Wie lang brauchst du für ein Wollknäul? Vielleicht nehme ich dir mal eins ab, ich bin nämlich ziemlich picky, was Wolle angeht, nehme nur Atelier Zitron Wolle. Von allem anderen bilde ich mir ein, Ausschlag an den Fingern zu bekommen.
    Sage mal: Ist der nächste Schritt ein eigenes Schaf? Und hast du deine Wolle schon mal selbst gefärbt? So viele Fragen, entschuldige meine Neugier. 🙂 Aber ich würde mich gern um einen Platz bewerben in deinem Strickkreis!

    Liebe Grüße,
    Natalie

  5. fraufriede

    Hi Natalie, super, dass du auch Handarbeit liebst! 🙂 Ich habe letztes Jahr das Spinnen für mich entdeckt, aber nicht mit dem Spinnrad, sondern mit der Handspindel. Da brauche ich ziemlich lange für ein Knäul. Ich hab jetzt angefangen, immer 100gr zu verspinnen, damit ich einen Vergleichspunkt für die Meteranzahl habe. Ich nehme auch nur reine Schafwolle, weil ich künstliche Fasern gar nicht mag. 100% Schafwolle ist das beste! 🙂
    Ui ein eigenes Schaf wär schon toll! 😀 Vielleicht in der Zukunft mal? 😉 Wolle färben würd ich gern mal ausprobieren, vielleicht wird das mein nächstes Sommerprojekt… Hast du das schon mal gemacht? Und was machst du so am liebsten für Handarbeit? Spinnst oder strickst du auch?
    Liebe Grüße von
    Friede 🙂

  6. Natalie

    Vielen dank für deine Antwort! Ein eigenes Schaf würde ich Waldemar nennen…. oder Waldemara! 🙂 Ich hab noch keine Wolle gefärbt, ich glaube, ich warte noch mal auf deinen Versuch, bevor ich Waldemar zum Friseur schleppe … 🙂
    Zur Zeit sticke ich wieder gern. Wir versuchen, keine Wegwerf Taschentücher mehr zu nutzen, sondern nur noch welche aus Stoff und sie dann zu waschen. Vor dem Fernseher ist das ziemlich entspannend…. meist schaffe ich aber nur Buchstaben und Bordüren.
    LG!

  7. fraufriede

    Waldemar, das Schaf 🙂 das klingt super! Nja, bis ich anfange, Wolle zu färben, dauert es mindestens noch bis zum Sommer, da kann man dann draußen rumplanschen 🙂
    Sticken ist echt toll, das möchte ich irgendwann auch ausprobieren! Im Bastelladen hab ich neulich Stickrahmen gesehen, hmmm vielleicht kauf ich mir einen… oder ich lass es mir als Projekt für den nächsten Winter 😉 Im Moment sitze ich nämlich viel am Webrahmen. Was würdest du außer Bordüren und Buchstaben gerne mal sticken?
    🙂

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