Single und 1. Korinther 7

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Single und 1. Korinther 7

 

Ich lese zur Zeit den ersten Korintherbrief (jeden Tag so ein Kapitel) und am letzten Sonnabend war Kapitel 7 dran. Schon zwei Tage zuvor, als ich die Seite umblätterte, habe ich gesehen, dass es drankommen würde und habe mich gefreut, denn da geht es um Ehe und Ehelosigkeit – für mich als Unverheiratete schon ein spannendes Thema. 🙂

Es ist schon eine Weile her, seit ich dieses Kapitel das letzte Mal gelesen habe, deshalb konnte ich es mit relativ frischen Augen lesen. Ich kenne natürlich den Inhalt, aber so die einzelnen Ausdrücke und Wortlaute waren mir nicht mehr im Gedächtnis.

Ich muss sagen, es hat mich ganz schön ins Nachdenken gebracht.

Paulus stellt hier nämlich ein paar steile Thesen auf, die man so heute nicht so oft hört und die einem vielleicht manchmal gegen den Strich laufen, weil man gerne etwas anderes hören würde.

Das Schöne an dem Kapitel ist (wie ja auch an dem ganzen Brief eigentlich), dass es so schön praktisch ist. Im ersten Teil geht es um die körperliche Beziehung in der Ehe und die Scheidung (V. 2-16), im zweiten darum, in dem Stand zu bleiben, in dem jeder ist (V. 17-24) und im letzten schließlich um die Unverheirateten (V. 25-38) mit einem Nachsatz in den Versen 39-40.

Paulus geht hier auf konkrete Fragen ein, die ihm die Korinther gestellt hatten (V.1). Und weil er wusste, dass sie wochenlang auf seine Antworten warteten und auch bereit waren, diese in ihrem Leben umzusetzen, führt er diese detailliert aus.

Ich denke, das ist eine gute Einstellung, auch heute an den Text heranzugehen: Bereit zu sein, sich daran zu halten (oder anders ausgedrückt: sich dem unterzuordnen 🙂 ), weil man weiß, dass alle Schrift von Gott eingegeben und fehlerlos ist (2. Tim 3,16) und weil sie Gottes und deshalb auch mein Maßstab ist.

Wir haben die Antworten auf diese Fragen zum Glück schon vorliegen und können jederzeit nachschauen!

Kapitel 7 ist ein sehr spannendes Kapitel und ich lade euch ein, mit mir ein bisschen darin herumzustöbern. Auch heute sind die Themen Ehe und Ehelosigkeit brandaktuell, auch heute brauchen wir Antworten auf unsere Fragen und auch heute möchte Gott uns Wegweisung und Hilfe geben!

 

Die richtige Perspektive

Als erstes möchte ich auf zwei Dinge eingehen, die manchmal für Verwirrung sorgen und von Kritikern gebraucht werden, um dieses und andere Kapitel zu relativieren.

 

Paulus persönliche Meinung vs. ein Wort des Herrn

Das Besondere an diesem Text ist etwas, das so gehäuft eigentlich nur hier vorkommt: Paulus macht einen deutlichen Unterschied zwischen einem Wort des Herrn und seiner eigenen Meinung (siehe Verse 10, 12, 17, 25, 26, 29, 35, 40).

Normalerweise redet Paulus in allen seinen Briefen in voller Autorität und in der Gewissheit, dass das, was er sagt, dem Willen des Herrn entspricht und dass er es genauso von Gott geoffenbart bekommen hat. Deshalb fällt es umso mehr auf, dass er in diesem Kapitel so einen Unterschied macht und betont, dass manche Äußerungen seine eigene Meinung sind.

Ist Paulus‘ Meinung weniger relevant als Gottes Meinung?

Dass Paulus seine eigene Meinung hat, bedeutet allerdings nicht, dass sie vom Willen Gottes abweicht! Sondern dass er keine konkrete Äußerung oder Offenbarung Jesu zu dem vorliegenden Thema hat (V. 25) und nun eine Äußerung tut unter Heranziehung aller ihm bekannten Fakten und in Abhängigkeit von Gottes Willen („ich gebe aber ein Urteil ab als einer, der vom Herrn begnadigt worden ist, treu zu sein“).

Dieser scheinbare Konflikt zwischen dem Willen Gottes und der Meinung des Paulus ist also gar keiner, da Paulus niemals etwas sagen würde, dass dem Willen Gottes entgegenspricht. Er ist nämlich der Lehre treu, die Gott ihm anbefohlen hat. Wir können also, wenn wir den Text lesen, gewiss sein, dass auch Paulus‘ persönliche Meinung dem Willen Gottes entspricht und als Schrift von Gott eingegeben und fehlerlos ist.

 

Der (kleine) kulturelle Unterschied

Fakt ist: Paulus hat vor fast zweitausend Jahren gelebt. Paulus ist im jüdischen Kontext aufgewachsen. Er schreibt an eine Gemeinde in Korinth, die sowohl aus jüdischen Christen als auch griechischen Christen besteht. Die Empfänger seines Briefes wissen, was er meint, wenn er etwas sagt, weil sie aus demselben oder einem ähnlichen Kulturkreis wie er selbst kommen.

Heute, fast zweitausend Jahre später, hat sich viel verändert. Es gibt kein römisches Reich mehr, der Humanismus und die Aufklärung haben unser Denken beeinflusst und seit einigen Jahren hat der Feminismus unsere (westlichen) Kulturen von Grund auf verändert. Wo es früher Abhängigkeiten innerhalb der Familie gab, steht heute die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Diese Veränderungen machen es für uns heute ziemlich schwer, den Text zu verstehen und noch schwerer, ihn anzuwenden.

Da wäre zum einen, dass Paulus (scheinbar) nur zu den Männern redet. Und zum anderen, dass Frauen damals von ihren Vätern verheiratet wurden, im Gegensatz zu heute.

Wie also überträgt man den Text in unsere Zeit?

Würde Paulus uns heute etwas anderes schreiben?

Ich denke, wir als Frauen dürfen uns von Paulus‘ Ausführungen auch angesprochen fühlen. Wir müssen es sogar, denn die Fragen der Korinther kennen wir zwar nicht wortwörtlich, aber die Antworten betreffen auch uns. Ich bin sehr froh, dass etwas zu den Themen in der Bibel steht und ich will mich nicht daran stören, dass ’nur‘ die Brüder angesprochen werden. Gerade wenn es um das Thema Ehe geht (V. 2-5, 10-16 und 32-35), behandelt Paulus das Thema von beiden Seiten und geht sowohl auf den Mann als auch auf die Frau ein.

Dass er die Männer anredet, wenn es darum geht, sich zu verheiraten, hat natürlich damit zu tun, dass die Frauen damals kein oder nur wenig Mitspracherecht hatten.

Heute kann diese (einseitige) Anrede aber durchaus positiv sein, weil damit die Verantwortung in den Vordergrund gerückt wird, die Männer haben, wenn sie sich eine Frau suchen. In einer Zeit, in der es für Männer so leicht ist, passiv zu sein, ist es vielleicht eine liebevolle Erinnerung Gottes an die Verantwortung, die sie übernehmen sollen. Und für uns Frauen eine liebevolle Erinnerung daran, den Männern mehr Verantwortung zu überlassen (ohne unsere eigene dabei aus den Augen zu verlieren).

 

Drei Prinzipien

die ich im Text entdeckt habe

 

1. Single sein ist eine Gnadengabe Gottes

In Vers 7 schreibt Paulus eindeutig, wie es ist: „Jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der eine so, der andere so“. Da es hier um Ehe und Ehelosigkeit geht, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man ist verheiratet oder nicht. Beides ist eine Gnadengabe.

Das griechische Wort, das hier verwendet wird, heißt ‚charisma‘ und bedeutet ‚Gnadengabe, Gnadengeschenk‘. Das bedeutet, ein Geschenk von Gott, das er uns in seiner Gnade gibt.

Eh Moment, Single sein soll ein gnädiges Geschenk sein?

Ich kenne einige Leute und ihr vielleicht auch (oder wir sind es auch selber), die über ihr Single sein traurig sind. Die sich gerne einen Partner wünschen und von Kindern träumen. Mir geht es jedenfalls manchmal so.

Gerade erst letzte Woche hatte ich einen emotionalen Durchhänger und fühlte mich einsam: Da war die Bereitschaft, über diese Gnadengabe dankbar zu sein, nicht so sehr hoch.

Ich kenne auch einige Leute, die von sich behaupten, dass ihnen diese Gnadengabe nicht gegeben wurde. Bedeutet das, dass Gott Fehler gemacht oder sie übersehen hat oder dass sie dieses Geschenk nicht annehmen können/wollen?

Warum schenkt Gott einem etwas, das so schwer ist?

Und was will er damit bezwecken?

 

2. Das Lebensziel

Paulus möchte den Korinthern verdeutlichen, dass Single sein ein hohes Ziel hat: Um die Sache des Herrn besorgt zu sein (V. 34). Und im nächsten Satz erklärt Paulus, dass es ihm darum geht, dass die Empfänger des Briefes ohne Ablenkung beständig beim Herrn bleiben können (V. 35b).

Dies bedeutet natürlich zuerst einmal eine Einstellung, die jeder haben muss. Wenn ich das nicht als mein Lebensziel setze und mich Tag für Tag dafür entscheide, wird sich das auch schwerlich umsetzen lassen.

Warum soll ich beständig beim Herrn bleiben? Damit ich heilig bin sowohl am Leib als auch am Geist (V. 34). Wir sind Heilige, weil wir Gottes Kinder sind, aber wir müssen auch so leben. Es muss sich in unserem Alltag zeigen, dass wir Heilige sind, sonst sind wir nur Hörer des Wortes, aber keine Täter.

Wie sollen andere Menschen sonst Christus in uns erkennen?

Wie gestalte ich mein Leben so, dass es dies möglich macht? Um mein Leben zu überprüfen, kann ich mir folgende Fragen stellen:

  • Gibt es Dinge in meinem Leben, die unnötig sehr viel Zeit einnehmen?
  • Womit verbringe ich meine Freizeit?
  • Mit welchen Menschen umgebe ich mich und wer von ihnen hat einen großen Einfluss auf mich?
  • Was beeinflusst mich mehr: Geistliches oder Weltliches?
  • Wie ernähre ich mich geistlich – nehme ich Leichtverdauliches oder auch schwere Kost zu mir?
  • Was ist meine Motivation Filme und Serien zu schauen?
  • Wieviel Zeit nehme ich mir fürs Gebet?
  • Bin ich bereit zu vergeben? Bin ich bereit, mich zu entschuldigen?

Um die Sache des Herrn besorgt zu sein bedeutet nicht, dass ich für immer Single bleiben muss. Auch Verheiratete leben zu Ehre Gottes, nur auf eine andere Art und Weise. Wenn jemand verheiratet ist, hat er sich an eine andere Person gebunden und die Pflege dieser Beziehung nimmt Aufmerksamkeit und Zeit in Anspruch, aber sie folgen Gott zusammen nach.

Wer aber nicht verheiratet ist, kann seine ganze Aufmerksamkeit und Zeit in die Beziehung mit Gott investieren. Als Single habe ich keine Ehegespräche, keine Kleinkinder, keinen großen Haushalt – ich habe schlicht mehr Zeit. Und Paulus sagt, dass ich diese freien Kapazitäten dazu nutzen soll, ohne diese Ablenkung beständig beim Herrn zu bleiben.

 

Um Paulus besser zu verstehen, muss man wissen, dass er zwei Dinge im Blick hatte, die ihn motivierten.

 

Das erste waren die Verfolgungen, unter denen die Christen in Korinther damals zu leiden hatten. In Vers 26 sagt er: „So halte ich nun um der gegenwärtigen Not willen für richtig, dass es für einen Menschen gut ist, so zu bleiben [nämlich unverheiratet]“, denn „solche [die heiraten, werden] Bedrängnis im Fleisch haben, die ich euch gern ersparen möchte“ (V. 28).

Jeder der die Geschichten von Open Doors liest, die sie regelmäßig von verfolgten Christen veröffentlichen, weiß, welche Not sie leiden. Welche Sorge und Angst sie um ihre Ehepartner haben, die im Gefängnis sind, ohne große Hoffnung, dass sie wieder freikommen.

Vielleicht ist diese Argumentation von Paulus eine, die wir in unserem Kulturkreis nicht so leicht nachvollziehen können. Noch sind wir Christen in Europa und anderen Teilen der Welt sicher, aber wenn man aufmerksam die Entwicklung der deutschen Gesellschaft beobachtet, merkt man, wie sie sich immer mehr von Gott entfernt.

Und zweitens dachte Paulus nicht für den Moment, sondern er hatte die Ewigkeit im Blick. In Vers 29 redet er von der Zeit, die nur noch kurz bemessen ist. Er sah das Leben als eine Zwischenstation an und war sich bewusst, dass sich unser Leben hier auf der Erde wie ein Staubkorn im Vergleich zum Universum ausmacht.

Wie 80 Jahre im Vergleich zu Hunderttausend Trilliarden Jahrtausenden.

Diese Ewigkeitsperspektive erlaubte es ihm zu sagen, dass Ehe eine Ablenkung ist, denn im Himmel gibt es keine mehr. Trotzdem hat Gott in seiner Gnade die Ehe als eine sehr wichtige und nützliche Sache angelegt, die er segnet.

In Vers 29 spricht er auch von der verbleibenden Frist. Unser Leben ist kurz, deshalb sollen wir unsere Zeit nutzen. Jeder Single kann das, egal ob man Mann oder Frau ist. Wir sollen nicht um uns selbst und unsere Selbstverwirklichung drehen, sondern unsere Zeit dafür verwenden, den Herrn und unsere Ewigkeit bei ihm im Fokus zu haben, „denn die Gestalt dieser Welt vergeht“ (V. 31).

 

3. Verheiratet sein ist gut, Single bleiben besser

Dieses Fazit zieht Paulus am Ende seines Textes über Ehe und Ehelosigkeit (V. 38). Ich muss sagen, wenn ich das so schreibe, fallen mir tausend Gründe ein, warum das nicht stimmt. 🙂 Und ich weiß auch gleichzeitig, warum er Recht hat.

Wie Paulus auch sagt: Beides ist eine Gnadengabe, Gott teilt sie zu und beruft nach seinem Willen. Wer heiratet, sündigt nicht (V. 28). Es ist sogar besser, zu heiraten, als in ‚Glut zu geraten‘ und womöglich dann zu sündigen (V. 2+9). Jeder ist frei, selber zu entscheiden, niemand ist gezwungen, das eine oder andere zu tun (V. 36ff.).

Von diesem letzten Abschnitt dürfen auch wir Single-Frauen uns angesprochen fühlen, obwohl Paulus die Männer anredet. Denn es geht hier nicht um das Wie der Brautwerbung (dafür gab es damals festgelegte Regeln), sondern um das Warum – esgeht um die Motivation.

Die Frage ist: Warum möchte ich heiraten? Warum möchte ich nicht Single bleiben?

Das ist tatsächlich eine Frage, die ich mir stelle, wenn ich manchmal über das Thema nachdenke. Was spricht eigentlich dagegen?

Dann fallen mir meine ganzen Ängste ein, ich sehr überall Pärchen und kleine Babys, die Einsamkeit lauert im Hintergrund – da finde ich Paulus so mutig, der dagegen hält und sagt: Es ist besser, nicht zu heiraten.

Es ist auch die Erinnerung Gottes an mich, dass Ehe und Familie nicht das Nonplusultra ist, sondern er selbst.

Ehe ist eine Art, wie wir unser Leben auf der Erde verbringen können, aber es gibt auch noch die Alternative, die sogar besser ist, auch wenn mir das auf den ersten Blick nicht so ersichtlich ist.

 

Letztendlich darf ich gewiss sein, dass Gott beides schenkt, Ehe und Single sein und dass er ganz genau weiß, was für mich wann am besten ist.

 

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